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Ich mag diesen Begriff nicht, denn er schändet die Opfer sexueller Gewalt.

Wer mein Kind sexuell missbraucht, bereitet meinem Kind KEINE SCHANDE, sondern ist Kindesvergewaltiger. 

Jedes Verbrechen gegen Menschen ist eine Schande. Aber das rechtfertigt nicht, die Menschen als geschändet anzusehen, wie es ihnen dann Makel bleibt. 

Ich verstehe zwar, dass mit dem Begriff der Schändung zum Ausdruck gelangen soll, dass ein Rechtsgut besonders heilig, besonders schutzwürdig sei, aber der Begriff hilft den Opfern nicht, sondern verhaftet sie noch tiefer im psychischen Unglück. 

Die richtigen Begriffe sind: Kindesvergewaltiger und Kindesmissbrauch.

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Sexualstraftaten gegen Kinder lösen besonderes Entsetzen und Anwiderung aus, denn das Kind sollte im Mittelpunkt familiärer und gesellschaftlicher Fürsorge stehen.  Die Vorstellung des hilflos ausgelieferten Kindes erzeugt Zorn gegen die Täter, ein Zorn, der häufig genug auch Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit ist, Kindern keine ausreichende Sicherheit verschafft zu haben, verschaffen zu können.  

Dass die Täter in ihrer Kindheit oftmals selbst von Erwachsenen missbraucht und traumatisiert wurden, ist durch viele wissenschaftliche Arbeiten belegt, wird aber in der Reaktion der Gesellschaft weitgehend verdrängt, die sich in der moralischen Pflicht gegenüber dem missbrauchten Kind fühlt, die Tat vollends und ungnädig gegen den Täter geltend zu machen.  Der Sexualstraftäter wird um seine eigene Opfergeschichte gebracht, die ihn als „krankhaft“ erscheinen lassen könnte, wodurch sich seine Schuld nach Gesetz und nüchterner Abwägung tatsächlich mindern würde.

Wie bei so vielen Problemen, in denen sich die Gesellschaft emotional verstrickt, versucht populistische und rechtsextremistische Propaganda daraus für sich Vorteile zu erlangen, indem sie für Kindesmissbrauch besonders drakonische Bestrafung fordert.  Und oft wird der Ruf nach Todesstrafe laut, womit man suggeriert, ein Problem „endgültig aus der Welt schaffen“ zu können und eine extreme moralische Distanz zu dem Täter behauptet, die ich aber Menschen mit solchen Extremforderungen aus folgenden Gründen abspreche:

1. Wer Gefangene töten mag, steht mir im Verdacht, dass ihm der höchste Wert (=das Leben) zu wenig Wert hat.

2. Wer Strafen fordert, die im Falle eines niemals auszuschließenden Fehlurteils irreversibel sind, steht mir im Verdacht, dass ihm Recht anderes ist als die Gerechtigkeit.

3. Wer nicht bereit ist zwischen kranken Menschen, die zwanghaft handeln, von voll verantwortlichen Straftätern zu unterscheiden, wer die Kranken nicht in Sicherheitsverwahrung nehmen, sondern „strafen“ will, will Unschuldige strafen und begeht damit selbst Unrecht.

Ich lehne aus selben Gründen auch den emotionalen Begriff „Kinderschänder“ ab, denn er ist dann unzulässig, wenn jemand krankhaft handelte.

Und auch normale Moralisten sollten mit ihren Urteilen bedacht sein: In Mails, Foren und Chat haben wir es oft genug, dass sich welche in sexistischer Weise über Frauen äußern. Dort tun viele es ab als Unreife oder „normaler Chauvinismus“. 

Ich behaupte aber, dass darin eine Nähe zum Kindesmissbrauch besteht:

Warum leisten sich Jungs und Männer oft so eine große Klappe gegen das andere Geschlecht?

Das liegt nicht daran, dass der Mann „sexuell stärker“ wäre als die Frau, denn das ist er nicht, was jedem mit dem Älterwerden kein Geheimnis bleiben kann.

Nicht die „sexuelle Stärke“, sondern die Durchsetzung des sexuellen Triebs mittels primitiver Körpergewalt gegen körperlich schwächere Menschen ist Inhalt des Sexualdelikts. 

Aus solchen Gründen werden in Gefängnissen junge Insassen von älteren Häftlingen „vernascht“, häufig mit der Folge, dass die Vergewaltigten Selbstmord begehen.  Die Täter sind oft nicht „schwul“, wie manche glauben mögen, sondern es ist die Rücksichtslosigkeit, die Achtungslosigkeit, mit der vorgegangen wird, um sich zu befriedigen.

Der Missbrauch an Kindern unterscheidet sich davon allenfalls durch deren maximale Wehrlosigkeit, aber das Tatmuster ist gleich zu allen anderen Vergewaltigungen: der Stärkere nutzt die körperliche Unterlegenheit des Opfers rücksichtslos aus.

Ich glaube nur solchen Menschen, dass ihnen Kinder unantastbar sind, denen allgemein das Schwächere heilig zu schützen und untastbar ist. 

Und unglaubwürdig ist mir auch, wer gegen sexuellen Kindesmissbrauch schreit, aber Kinder grün und blau schlägt, wie ich es oft an Kindern sehe. Und unglaubwürdig ist mir auch, wer alkoholisiert und durch die Straßen unserer Kinder rast  und zum Elend von Millionen Kindern schweigt. 

Kinderschutz verlangt mehr als drakonische Reaktion auf Sexualstraftäter. Kinderschutz ist ein Maßstab für alle und alle Politik. – Das war jetzt keine Übertreibung. Man denke nur richtig darüber nach.

Quelle: http://unsere.de/kinderschaender.htm

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